Was sehen Sie hier rechts auf dem Foto? Keine Frage: ein simples, handelsübliches Bügeleisen. Wenn ich nun frage, was das Bügeleisen mit Stress zu tun hat, kommen Ihnen evtl. Gedanken in den Sinn wie „Bügeln ist zeitraubend/ anstrengend/ langweilig und deshalb stresst es.“ Das mag so sein, nur geht es um etwas anderes. Ich möchte Ihnen mit einem simplen Bügeleisen erklären, was Stress ist.

Vielleicht haben Sie schon einmal ein Bügeleisen in der Hand gehabt.

Aber auch wenn dies nicht der Fall sein sollte (nebenbei gesagt: Beneidenswert, der Gedanke! 😉 ), so werden Sie sich vorstellen können, dass ein derartiges Haushaltsgerät ein Gewicht hat. Leicht wie eine Feder ist ein Bügeleisen nicht.

Haben Sie einen Moment Zeit und Lust auf ein Experiment? Dann schnappen Sie sich jetzt Ihr eigenes Bügeleisen, sofern Sie eines besitzen. Alle andere dürfen gern einen gefüllten Aktenordner, eine Personenwaage o.ä. nehmen. Oder aber Sie stellen sich das einfach nur vor. Sie greifen das Bügeleisen und halten es in der Luft locker vor sich. Schauen Sie mal, wie Sie das Bügeleisen halten. Ist der Arm gebeugt? Nehmen Sie vielleicht sogar die zweite Hand zur Hilfe? Spüren Sie einmal, wie lange Sie das Gerät halten mögen. Na, wie schaut´s aus? Sie bestimmen, wann Sie Bügeleisen abstellen wollen. Was meinen Sie: War das jetzt stressig? Wie lautet Ihre Antwort?

Möglicherweise werden Sie sagen, dass Sie das nicht als stressig empfunden haben. Dann überrasche ich Sie jetzt: Das war Stresserleben. Denn was genau ist Stress?

Stress ist die Anpassung an eine Situation, damit es uns mit der Situation gut geht. Nicht mehr und nicht weniger! Schauen wir auf das Experiment: Sie waren in der Situation, das Bügeleisen zu halten. „Puh, Gewicht!“, hat Ihr Inneres ans System gefunkt und damit auf den Stress-Knopf gedrückt. Sowie der Knopf gedrückt wird, laufen automatisch Prozesse ab, die wir bewusst nicht steuern können. Uns wird Energie bereit gestellt, um die Situation so zu gestalten, dass es uns – wieder – gut geht. Die Anpassung erfolgt. Im Experiment: Das Gewicht hat bewirkt, dass Sie es auf eine bestimmte Weise gehalten haben, und Sie haben auch wegen des Gewichts irgendwann ganz eigenverantwortlich und selbstbestimmt entscheiden, das Bügeleisen abzusetzen.

So weit, so simpel.

Doch warum empfinden wir Stress als so negativ? Der Begriff wird in vielen Fällen mit einer anderen Form der versuchten Anpassung an eine Situation in Verbindung gebracht. Und zuweilen kommt es nicht einmal zum Versuch einer Anpassung! Lust auf ein weiteres Experiment? Greifen Sie sich wieder Ihr Bügeleisen. Und dieses Mal gewähre ich Ihnen nicht mehr so viele Freiheiten. Sie sind nicht mehr so selbstbestimmt. Ich schreibe Ihnen vor, dass Sie das Bügeleisen mit ausgestrecktem Arm 2 Stunden halten sollen. Und das jede Woche von Montag bis Freitag.

Vielleicht wollen Sie es sogar mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn Sie das Gerät mit langem Arm halten und sich dabei vorstellen, Sie dürften es tatsächlich nicht absetzen über 2 Stunden. Welche Gefühle zeigen sich? Bitte denken Sie auch daran, dass Sie jeden Werktag diese 2 Stunden durchhalten müssten. Was empfinden Sie? Wut? Angst? Erschöpfung, vielleicht auch vorauseilende Erschöpfung? Anspannung? Verkrampfung? Frust? Ein Gefühl von Fremdbestimmtheit und ausgeliefert sein? Ein Gefühl im Sinne eines „Ich kann nicht eigenverantwortlich handeln.“?

Und flugs sind wir bei demStress-Erleben, wie es viele kennen. Genauso wie im ersten Experiment stellt Ihnen Ihr Gesamtsystem Energien zur Verfügung, um die Situation zu verändern, sobald Sie innerlich auf den Stress-Knopf gedrückt haben. Gerade Wut ist ja ein Gefühl, das sehr aktivierend sein kann. Nur haben wir im zweiten Experiment den Umstand zu beachten, dass die Anweisung „2 Stunden das Bügeleisen bei langem Arm halten“ uns vorgaukelt, dass wir nichts verändern können. Da steht uns ganz viel Energie zur Verfügung und wir haben das Gefühl, wir sind ausgeliefert und handlungsunfähig. Und das jeden Tag von Neuem. Wir erleben einen Tunnelblick auf das Belastende und haben keine freien Kapazitäten für das Sehen vom „Drumherum“, für das Sehen von Lösungen aus dem Dilemma.

Und so landen wir in der heutzutage so gut bekannten Stress-Falle. Denn wenn wir unserem System „Stress“ funken, wir also auf den Stress-Knopf drücken, dann wird nicht nur einfach Energie bereit gestellt, als wenn wir ein Stück Traubenzucker essen. Es wird auch ein Hormon-Cocktail ausgeschüttet, der uns wach und fokussiert hält. Das Cortisol, das zu den Stresshormonen zählt, kann uns ernsthaft – organisch – krank machen, wenn über einen längeren Zeitraum permanent sehr viel davon ausgeschüttet wird.

Dem gilt es bewusst entgegen zu treten, sofern Sie nicht krank werden wollen. Ich bin überzeugt davon, dass es immer Wege gibt, dass anderes möglich ist, dass es Alternativen gibt, dass Situationen gewandelt werden können – ebenso innere Haltungen und Überzeugungen. Hierfür bedarf es zuweilen der Hilfe von außen…. und natürlich der eigenen Motivation, dass Veränderung, ja Verbesserung auch im eigenen Leben passieren darf!